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Logo 850Jahre Griesheim

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Geschichte Griesheims

Urkunde mit der ersten Erwähnung Griezheims
Karte von 1823
Griesheims älteste Kirche – Lutherkirche
Stadtplan von 1907
Formstecher
Griesheimer Zapfenpflücker
Weinanbau in Griesheim

Schon vor 6.000 Jahren war Griesheim besiedelt. Für eine so frühe Besiedlung sprechen Funde in der Griesheimer Gemarkung aus verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten.

Die fränkisch-merowingische Zeit ist durch Grabungen an der Rückgasse besser dokumentiert. Dort wurde ein großer Reihengräberfriedhof gefunden, unter anderem das von Grabräubern unangetastete Grab einer Frau, die auf einer Bügelfibel mit dem Name „Agilatrud“ in Runenschrift benannt ist. Diese Fibel und andere besondere Grabfunde, wie die Reste einer Beinprothese und ein koptischer Elfenbeinkamm mit Reliefszenen weisen neben der geringen Zahl von Bestattungen auf die Belegung durch einen Adelshof und nicht durch eine Dorfgemeinschaft hin. In Urkunden aus dem ersten Jahrtausend werden die Ortsnamen „Haselaha“, „Otterstadt“ und „Breitenlohe“ erwähnt, die sich alle auf der heutigen Griesheimer Gemarkung befinden.

Griesheim selbst ist in dieser Zeit noch nicht genannt worden. Der Name bedeutet „Wohnsitz an sandiger Stell des Flussufers“ und ist mit der Namensendung –heim vermutlich im 6. oder 7. Jahrhundert entstanden. Die Ersterwähnung des Ortes erfolgt am 14. Juni 1165 in einer Urkunde von Kaiser Friedrich I. Barbarossa. In dieser Urkunde bestätigt der Kaiser eine Schenkung der Grafen von Wertheim an das frisch gegründete  Kloster Bronnbach an der Tauber.  Die vorherige Nichterwähnung Griesheims bedeutet – wie gesagt – nicht seine Nichtexistenz. Vorher fiel Griesheim wohl unter das „Zubehör“ des Königshofes Groß-Gerau und wurde nicht eigens genannt. Dieses Reichsgut war Anfang des 11. Jahrhunderts nacheinander Lehen der Bistümer Worms, Bamberg und Würzburg. Irgendwann zwischen 1013 und 1165 gelangte es in den Besitz der Grafen von Wertheim, die es dann an das Kloster Bronnbach gaben. Die Besitzer wechselten noch mehrmals, bis 1318 die Grafen von Katzenelnbogen schließlich mit dem früheren Königsgut und der Grafschaft Bessungen,  zuder Griesheim gehörte, belehnt wurde. 1479 erlosch das Geschlecht der Katzenelnbogen im Mannesstamm. Erbe war der Schwiegersohn des letzten Grafen, Landgraf Heinrich von Hessen. Griesheim blieb bis 1821 im hessisch-Darmstädtischen Besitz. Für das gar nicht so kleine Dorf Griesheim mit ca. 2.000 Einwohnern dürfte der ständige Besitzerwechsel keine große Bedeutung gehabt haben.

Der Ort hat sich vermutlich aus einem größeren Hofgut in der Oberndorfer Straße Ecke Gässchen entwickelte, da die Straße hier einen Bogen um das wohl schon vorhandene Gut macht. Der Ort entwickelte sich in Nord-Süd-Richtung entlang der Oberndorfer und Pfützenstraße sowie der Pfungstädter und Groß-Gerauer Straße,. Letztere waren Teil der Geleitstraße Worms-Frankfurt.
Das Leben im mittelalterlichen Dorf war weitgehend durch die Gemeinschaft bestimmt und festen Regularien unterworfen, wie zum Beispiel der Zuzug in die Gemeinde, die Nutzung der gemeinschaftlichen Flächen wie Weiden oder der Wald.
Auch wenn sich das Dorfleben in engen Grenzen abspielte, war Griesheim nicht von Weltereignissen abgeschnitten, die jeweils einen großen Einfluss auf seine  gedeihliche Entwicklung hatten:
Im Jahr 1529 hat Heinrich Moter die Reformation in Griesheim eingeführt. Wie vielerorts ist mit der Reformation wohl auch in Griesheim ein Bildungsauftrag verbunden. Jedenfalls wurde 1570 eine Schule urkundlich belegt.

Im dreißigjährigen Krieg wurde Griesheim wie auch den umliegenden Orten besonders übel mitgespielt. Das lag einerseits an der geografischen Lage, dem Durchzugsgebiet aller möglichen Armeen und zum zweiten an der Neutralitätspolitik des Landgrafen von Hessen-Darmstadt, die niemanden zur Rücksichtnahme ermunterte. Immerhin war die Lage in den 1620er Jahren so ruhig, dass sich die Griesheimer ein neues, steinernes Renaissance-Rathaus erbauten, das alle weiteren Unruhen überstand, bis es einem Bombenangriff 1944 zum Opfer fiel. Die Menschen litten dagegen immens unter ständigen Brandschatzungen, Plünderungen, Folterungen und Vergewaltigungen. Vorübergehend wurden in Griesheim nur 37 Menschen in 14 Gebäuden gezählt.  
Nur sehr langsam erholte man sich von dem nahezu vollständigen Niedergang. Immerhin war man schon 1681 in der Lage eine neue Kirche einzuweihen.

Im 19. Jahrhundert wurden langsam die Strukturen des mittelalterlichen Dorfes gelöst. In Folge der französischen Revolution erhielt Hessen-Darmstadt unter dem Großherzog Ludwig I. 1820 eine Verfassung und im darauffolgenden Jahr wurde eine Gemeindeordnung gesetzlich erlassen. Damit wurde kein fürstlicher Schultheiß mehr eingesetzt, sondern ein Ortsvorstand demokratisch gewählt, der sich aus einem Bürgermeister, einem Beigeordneten und zwölf Gemeinderäten zusammensetzte. Wenn die Dorfbewohner (nur die Ortsbürger, die Grundbesitz hatten und Steuern zahlten) jetzt erst wählen durften, so war doch das Zusammenleben auch vorher schon durch vielerlei Rechte und Pflichten geregelt.
1839 schließlich wurde Griesheim Marktflecken, erhielt also das Recht zweimal jährlich Markt abzuhalten.

1869 wurde die Eisenbahnstrecke Darmstadt-Worms eröffnet,  mit der auch Griesheim über hundert Jahre Anschluss an die Welt bekam. 1886 folgte die Dampfstraßenbahn, die Griesheim vom östlichen Ortsausgang (heutiger Georg-Schüler-Platz) mit dem Darmstädter Zentrum verband.
Der südöstlichen Gemarkungsteil Griesheims, dessen Name „Griesheimer Sand“ auf die mindere Bodenbeschaffenheit hinweist, wurde im 19. Jahrhundert für Truppenübungen genutzt. 1874 erwarb die Reichsmilitärverwaltung vertreten durch das Preußische Kriegsministerium das Gelände. Die Gemeinde Griesheim  wurde dabei vertraglich verpflichtet, die Schießschäden an Feldern  zu beheben. Dafür erhielt sie das Recht, den anfallenden Stalldung zu versteigern, was eine ansehnliche Einnahme für die Gemeindekasse ergab. Hier übten bis zu 20.000 Soldaten im Jahr aus dem ganzen deutschen Reich. Im Jahr 1877 erschien sogar der Kaiser zu einem Manöver auf dem Übungsplatz. Am Nordrand des Übungsgeländes entstand das sogenannte Wirtschaftsviertel, das überwiegend aus Gaststätten und Vergnügungsstätten bestand, wo die Soldaten ihre Freizeit verbrachten.

Das Schießplatzgelände diente August Euler ab 1908 auch für seine ersten Flugversuche, aus denen dann eine Flugschule mit einer Flugzeugfabrik und schließlich der spätere „August-Euler-Flugplatz“ hervorgingen, der der erste Flugplatz Deutschlands war. Nach dem Wegzug Eulers wurde das Flugfeld militärisch genutzt. Außerdem wurde dort ein Kriegsgefangenenlager errichtet mit einer Kapazität von 15.000 Gefangenen. Nach ersten Weltkrieg bis 1930 waren Griesheim und der Flugplatz unter französischer Besatzung als Teil des Mainzer Brückenkopfs. In den 1930er Jahren entstand dort die Forschungsanstalt für Segelflug und wurde zunehmen auch von der deutschen Luftwaffe benutzt. 1937 wurden ca. 800 Hektar der Gemarkung – unter anderem der Flugplatz – nach Darmstadt zwangsausgemeindet. Am Ende des zweiten Weltkriegs besetzte die US-Army das Gelände. Die Amerikanische Armee blieb dort während des kalten Krieges  bis 1992. Dann wurde der Flugplatz stillgelegt. Heute ist er zu großen Teilen Naturschutzgebiet und gehört der Technischen Unversität Darmstadt.

Griesheim wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch technisch an die Neuzeit angepasst. Ein Gaswerk gewährleistete ab 1900 eine zentrale Gasversorgung. Mitte der zwanziger Jahre folgten ein flächendeckendes Stromnetz und die öffentliche Wasserversorgung. Im zweiten Weltkrieg sind durch  drei Bombenangriffe und eine Luftmine 60 % des Ortes zerstört worden.
In den mühsamen Aufbauzeiten nach dem Krieg wurden auch noch um die 4000 Flüchtlinge und Heimatvertriebene aufgenommen. Dies führte zu der Gründung der Siedlung St. Stephan, die in mühsamer, aber unerbittlicher Arbeit meist aus Ungarn Vertriebene zu einer neuen Heimat aufbauten. 1977 schließlich wurde St. Stephan, das faktisch schon mit Griesheim zusammengewachsen war, nach Griesheim eingegliedert.

Die vielen  neuen Mitbürger machte eine Erweiterung des Ortes notwendig, die sich nach dem Bau des neuen Rathauses 1953 nach Osten vollzog. Immerhin vergrößerte sich der Ort von 9.000 (1959) auf 20.000 (1980) Einwohner.  Hinzu kamen Gewerbegebiete im Osten und im Norden. Die letzten Stadterweiterungen im Norden und Südosten führten zu einem weiteren Ansteigen der Einwohnerzahl.  Mittlerweile hat Griesheim 28.000 Einwohner. Eine Aufwertung der Innenstadt brachte die Erweiterung der Wilhelm-Leuschnerstraße, mit Straßenbahntrasse und einer neuen Ladenzeile um 1990 sowie die Umgehungsstraßen, die diesen Bereich entlasten sollen.
Am 12. September 1965 bekam Griesheim die Stadtrechte verliehen in Anerkennung der Wiederaufbauleistung nach dem Krieg.

In diesem Jahr werden neben der Ersterwähnung Griesheims auch 40 Jahre Städtepartnerschaft mit Bar-le-Duc in  Frankreich und 25 Jahre mit Gyönk in Ungarn und ebenso lange Städtefreundschaft mit Wilkau-Haßlau in Sachsen begangen. Seit 2008 besteht die Städtepartnerschaft mit Pontassieve in Italien.